Die Begriffe auf einen Blick
„Schadsoftware“, „Schadprogramm“ und „Malware“ meinen dasselbe. Nach der Definition der Verbraucherzentrale sind es alle Computerprogramme, die entwickelt wurden, um Daten auszuspähen, Dritten unbefugten Zugriff auf IT-Systeme zu ermöglichen oder fremde Systeme zu infizieren. Trojaner, Virus und Wurm sind Kategorien dieser Schadsoftware, keine Gegensätze zu ihr. Wer „einen Virus“ sagt, meint im Alltag meist irgendeine Schadsoftware. Technisch sind die Unterschiede aber klar zu fassen:
- Virus: Es infiziert ein bislang gesundes Programm als Wirt. Dann führt das befallene Programm bei jedem Aufruf zuerst den Schadcode aus, und das Virus kopiert sich in weitere Programmdateien.
- Wurm: Er kommt ohne Wirtsprogramm aus, läuft eigenständig und verbreitet sich ohne Zutun der Nutzer, etwa indem er Kopien seiner selbst per E-Mail an gefundene Adressen schickt.
- Trojaner: Er tarnt sich als nützliches Programm, in der Hoffnung, dass du es selbst installierst. Anders als Viren und Würmer verfügt er über keinen Mechanismus zur Selbst-Reproduktion, seine Verbreitungsstrategie ist die Täuschung.
Die Grenzen verschwimmen allerdings. Das BSI schreibt, heutige Schadprogramme seien meist multifunktional, laden nach der Erstinfektion weitere Module nach und lassen sich kaum noch einer einzigen Kategorie zuordnen. Ein Beispiel: WannaCry wird oft „Erpressungstrojaner“ genannt, war laut BSI aber ein Wurm, der sich selbstständig auf Windows-Rechnern verbreitete. Der Banking-Trojaner TrickBot besitzt ebenfalls Wurmeigenschaften. Die Kategorien helfen beim Verstehen, ersetzen aber keine genaue Analyse.
Vergleich: Malware-Typen in der Tabelle
| Typ | Wie verbreitet | Was es tut | Typisches Anzeichen | Schutz |
|---|---|---|---|---|
| Virus | Infizierte Datei, die auf ein anderes Gerät gelangt und dort ausgeführt wird (Datenträger, Download) | Setzt sich in Wirtsprogramme, führt Schadcode mit aus | Oft keines, das Wirtsprogramm funktioniert scheinbar normal | Updates, Virenschutz, keine Programme aus unsicheren Quellen |
| Wurm | Selbständig, etwa per E-Mail-Anhang an Kontakte oder im Netzwerk | Vermehrt sich ohne Zutun der Nutzer, kann Geräte in ein Botnetz einfügen | Nach Polizeiangaben kann die Leistung des Rechners sinken, E-Mails gehen ungewollt in deinem Namen raus | Zeitnahe Updates schließen die genutzten Lücken, Firewall |
| Trojaner | Getarnte Software, Anhang oder Download aus unseriöser Quelle | Lädt weitere Schadsoftware nach, spioniert Daten aus, ermöglicht Fernsteuerung | Meist keines | Nur Software aus vertrauenswürdigen Quellen, Anhänge prüfen |
| Ransomware | E-Mail-Anhänge, manipulierte Webseiten, Sicherheitslücken (WannaCry nutzte eine Windows-Lücke) | Verschlüsselt Daten oder sperrt das System und fordert Lösegeld | Erpressernachricht, nachdem die Dateien verschlüsselt wurden | Backups, Updates, Vorsicht bei Anhängen (siehe Ransomware-Ratgeber) |
| Spyware | Häufig als Beigabe zu Software, die Grenze zur Adware ist fließend | Erfasst Systemdaten und Surfverhalten, nach Verbraucherzentrale auch Zugriff auf Mikrofon und Kamera | Häufig keines | Software nur von Herstellerseiten, Virenschutz |
| Keylogger | Wie andere Schadsoftware (Anhang, Download, präparierte Seite) | Zeichnet Tastatureingaben wie Passwörter auf | Häufig keines | Virenschutz, Updates, zusätzlicher zweiter Faktor für Konten |
| Adware | Als Beigabe in kostenlosen Downloads | Blendet Werbung ein, ändert Browsereinstellungen, kann Nutzerdaten erfassen | Pop-ups, veränderte Startseite | Downloads prüfen, Ad-Blocker |
| Rootkit | Wird nach Microsoft von vielen modernen Malware-Familien genutzt | Verbirgt Schadsoftware und deren Aktivität vor dem Betriebssystem | Das Gerät meldet kaum verlässlich, was darauf läuft | Updates, Verhinderung der Installation |
| Scareware | Warnmeldung im Browser oder Pop-up | Täuscht eine Infektion vor und verleitet zum Download des „Reparaturprogramms“, das die eigentliche Schadsoftware enthält | Alarmmeldungen, die zum Download drängen | Keine Programme aus Warnfenstern installieren |
Belege zu den einzelnen Zeilen: Viren und Würmer und Trojaner beim BSI, Leistungsminderung durch Würmer bei der Polizei, Keylogger, Spyware und Scareware bei der Verbraucherzentrale, Adware und Spyware beim BSI, Rootkits bei Microsoft.
Wie sich Schadsoftware verbreitet
Das Internet ist laut BSI der wichtigste Infektionsweg, USB-Sticks und externe Festplatten spielen aber weiterhin eine Rolle. Typische Wege:
- E-Mail-Anhänge wie .exe oder .scr, die beim Öffnen ausgeführt werden. Auch doppelte Endungen wie „pdf.exe“ sollen täuschen. Dazu kommen Office-Dokumente mit Makros.
- Infizierte oder manipulierte Software, die du selbst installierst, etwa aus unseriösen Download-Quellen. Das BSI nennt NotPetya als Beispiel: Die Schadsoftware kam über die Update-Funktion einer Buchhaltungssoftware auf die Systeme. Auch seriöse Quellen sind also nicht automatisch sicher.
- Webseiten: Schon der Aufruf einer präparierten Seite kann ein Gerät infizieren, selbst seriöse Seiten können etwa durch manipulierte Werbebanner betroffen sein.
- Wechseldatenträger und fremde Netzwerke wie öffentliches WLAN.
Prinzipiell kann jedes vernetzte Gerät betroffen sein, auch Router, Smart-TV und Smart-Home-Produkte. Wie du Phishing als häufigen Einstieg erkennst, steht in Phishing erkennen.
Woran du einen Befall erkennst – und woran nicht
Was auf Befall hindeuten kann:
- Viele Pop-ups mit Werbung oder eine veränderte Browser-Startseite deuten auf Adware hin (BSI, Verbraucherzentrale).
- Von deinem Konto gehen E-Mails raus, die du nicht geschrieben hast. Das BSI nennt dies als Anlass, das Gerät mit einem aktuellen Virenschutzprogramm zu untersuchen.
- Eine Nachricht verlangt Geld, damit du wieder an deine Daten kommst: Das ist Ransomware. Microsoft weist darauf hin, dass eine Ransomware-Infektion meist erst bei einer solchen Benachrichtigung auffällt, nachdem Dateien verschlüsselt wurden.
Was dich nicht beruhigen darf:
- Viren zeigen meist nichts. Das befallene Programm scheint normal zu laufen, deshalb bemerken Nutzer meist nichts von den Aktionen im Hintergrund.
- Manipulierte Überweisungen beim Online-Banking bleiben unsichtbar. Das BSI beschreibt, dass es keine Auffälligkeiten gibt, bis der Kontoauszug den Schaden zeigt. Prüfe deine Umsätze daher regelmäßig.
- Bei einem Rootkit kannst du den Angaben des Geräts nicht trauen. Microsoft beschreibt, dass Rootkits Standard-Betriebssystemprozesse abfangen und ändern, ein Gerät dann nichts Verlässliches mehr über sich selbst meldet.
- Ein langsamer Rechner allein ist kein Beweis. Er kann viele Ursachen haben, auch harmlose. Ein Befall lässt sich nur sicher mit einer Prüfung feststellen.
Was du bei Verdacht tust: Untersuche das Gerät mit einem aktuellen Virenschutzprogramm. Unter Windows geht das in der Windows-Sicherheit-App über „Viren- & Bedrohungsschutz“, dort startest du auch einen schnellen oder genaueren Scan. Bestätigt sich eine Infektion, rät das BSI: Viele Schadprogramme nehmen tiefgreifende Änderungen vor, daher sollte das gesamte System neu aufgesetzt werden, danach änderst du die Passwörter aller Online-Zugänge. Die Verbraucherzentrale ergänzt, dass sich nach einem Befall nur schwer sicher sagen lässt, ob alles entfernt wurde. Sicherer ist die Wiederherstellung aus einer Datensicherung. Bei Verdacht auf Missbrauch rät das BSI, die Polizei zu informieren, auch über die Onlinewache. Zum Smartphone siehe Handy gehackt erkennen.
Was wirklich schützt
Ein Schutz ist selten ein einzelnes Programm, sondern eine Reihe von Gewohnheiten.
- Updates für alles. Das BSI empfiehlt, Updates von Betriebssystem und Programmen auf allen Geräten zeitnah einzuspielen, um Sicherheitslücken zu schließen. WannaCry nutzte eine Lücke, für die Microsoft laut BSI acht Wochen vor dem Ausbruch einen Patch bereitgestellt hatte.
- Eingebauter Schutz aktiv lassen. Windows bringt Microsoft Defender Antivirus als Teil der Windows-Sicherheit mit. Laut Microsoft überprüft er das Gerät kontinuierlich auf Bedrohungen. Auf Android prüft Google Play Protect Apps vor dem Download aus dem Play Store und warnt vor schädlichen Apps, deaktiviert oder entfernt sie gegebenenfalls. Wer ein zusätzliches Schutzprogramm nutzt, sollte laut BSI darauf achten, Programme nur von den Herstellerwebseiten herunterzuladen und kostenlose Funktionsumfänge zu prüfen. Es gibt hier keine Rangliste.
- Benutzerkonto mit reduzierten Rechten. Das BSI empfiehlt es, damit Schadprogramme keine Administratorrechte und keinen Zugang zum gesamten System bekommen. Arbeite im Alltag nicht mit dem Administratorkonto.
- Vorsicht bei Anhängen, Makros und Downloads. Lass dir Dateiendungen anzeigen, öffne keine ungeprüften .exe-, .scr- oder .vbs-Dateien und aktiviere keine Makros, wenn ein Dokument dazu auffordert. Das raten Polizei und Verbraucherzentrale. Das BSI empfiehlt außerdem, Software nur aus vertrauenswürdigen Quellen herunterzuladen und dort, wo angeboten, die Prüfsumme der Datei zu vergleichen.
- Backups. Regelmäßige Datensicherungen schützen vor der Verschlüsselung durch Ransomware und ermöglichen es, verlorene Daten selbst wiederherzustellen. Wie du das aufsetzt, steht in Backup-Strategie.
Kein Schutz ist hundertprozentig. Das BSI beschreibt das Verhältnis von Angriff und Abwehr als Wettlauf. Neue Schadprogramme führen zu besseren Schutzfunktionen, bessere Schutzfunktionen zu raffinierteren Angriffen. Bei einem akuten Ransomware-Vorfall findest du Schritte im Artikel Ransomware-Angriffe: So schützt du deine Daten.